Daniel Kehlmann macht es Spaß, Erwartungen zu unterlaufen*. Nach dem weltweiten Erfolg seines Romans „Die Vermessung der Welt“ harrte selbige gespannt seines neuen Œuvres. Mit „Ruhm“ tat Kehlmann dann das, was er am besten kann: Überraschen, Konventionen brechen und das altehrwürdige Feuilleton kräftig „dissen“, wie es auf Neudeutsch so schön heißt.
Was Meister-Regisseure wie Alejandro Gonzáles Iñárritu oder Jim Jarmusch auf Zelluloid gebannt haben, hat Daniel Kehlmann zwischen zwei Buchdeckel gepackt: „Ruhm“ ist ein Episodenfilm in Buchform. Der raffinierte Roman gliedert sich in neun Episoden, die – bis auf die letzte – als eigenständige Geschichten gelesen werden können. Einzelne Figuren oder Erzählstränge aus einer Geschichte tauchen jedoch in einer anderen Episode wieder auf und werden so nach und nach zu einem ganzen Roman verwoben. (mehr…)

Daniel Kehlmann © billy & hells
Daniel Kehlmann bekommt langsam einen Eindruck davon: Nach dem Sensationserfolg seines Romans „Die Vermessung der Welt“ tingelt der österreichisch-deutsche Autor quer über den Globus. Zuletzt führte ihn seine Reise nach Salzburg: Daniel Kehlmann kuratierte als „Dichter zu Gast“ das Literaturprogramm der Salzburger Festspiele und sorgte mit seiner Eröffnungsrede für Furore: Der Sohn des Wiener Regisseurs Michael Kehlmann prangerte das deutsche Regietheater an und löste damit eine heftige Debatte im Kulturbetrieb und in den Feuilletons aus.
„Was denn hier los sei“, fragte Daniel Kehlmann, „warum das denn auf den Bühnen alles immer so ähnlich aussehe, ständig Videowände und Spaghettiessen, warum sei immer irgendwer mit irgendwas beschmiert, wozu all das Gezucke und routiniert hysterische Geschrei?“
Der Autor kritisierte, dass die Regisseure „vom Praktischen oft weniger Ahnung (haben) als jeder Beleuchter, der hinter ihrem Rücken die Augen verdreht, wenn ihnen wieder einmal die Einfälle kommen.“ Unterdessen bleibe der Großteil des potentiellen Publikums daheim, lese Romane, gehe ins Kino, kaufe DVD-Boxen amerikanischer Serien und nehme Theater nur noch als fernen Lärm wahr – „als Anlass für wirre Artikel im Feuilleton, als Privatvergnügen einer kleinen Gruppe folgsamer Pilger, ohne Relevanz für Leben, Gesellschaft und Gegenwart.“ (mehr…)